Wie ist es eigentlich, 7 Tage nicht zu reden?
Für einige von uns wohl fast nicht vorstellbar, für andere genau das, was sie sich schon lange mal wünschen… Was ist Deine erste Reaktion darauf, wenn Du Dir vorstellst, mal einfach 7 Tage nicht zu reden?
Ich hab’s ausprobiert im Rahmen eines Meditationsretreats. 7 Tage nicht reden, nichts aufschreiben, möglichst auch keine Kommunikation mittels Körpersprache, kein Zugang zu Handy oder Computer, keine Ablenkung - nur meditieren, schlafen, essen und ein paar Spaziergänge.
Digital Detox & schweigen - ich würde es wieder tun!
Ja - echt.
Mir wurde erst durch diese ablenkungsfreie Zeit bewusst, wie oft und wie stark wir im Alltag unseren Geist vollstopfen mit soviel Unnötigem. Da ist immer was zu tun oder zu denken und wenn dann mal nur ein paar Minuten Ruhe ist, dann greifen wir zum Handy, um zu schauen, ob sich nicht doch etwas Interessantes getan hat auf Social Media. Nur ja nichts verpassen, weil sonst…. ja was sonst?
Man könnte denken, dass sich so 7 Tage Digital Detox ewig hinziehen und man sich zu Tode langweilt. Das Gegenteil war der Fall. Je weniger abgelenkt, desto konzentrierter wurde ich und desto friedlicher und freier hat sich das Leben angefühlt. Alles war klarer, schöner und realer, weil ich tatsächlich präsenter und aufnahmefähiger war im Moment. Also mehr im Hier und Jetzt - und ja, ich weiss, das tönt abgedroschen, aber man muss es erleben, um es zu wissen.
Natürlich kommen dann auch innere Prozesse ins Rollen, die nicht immer nur angenehm sind. Emotionen, die wir ja laufend haben, aber die wir oft einfach ignorieren oder wegstecken, da gerade keine Zeit ist, weil eben das Handy, die Arbeit, die To-Do Liste viel wichtiger ist. Diese alten Emotionen - viele konnte ich gar nicht mehr zuordnen - mussten einfach nochmals gefühlt werden - einfach so - ohne im Kopf erneut eine Geschichte darum zu bauen. Nur fühlen, akzeptieren, damit sitzen und warten bis sie sich von selbst wieder auflösten. Natürlich haben dabei die Meditationen geholfen.
Solange wir jedoch ablehnen was ist oder unbedingt mehr davon haben wollen oder es gar nicht erst wahrnehmen und/oder verdrängen, so lange werden wir bewusst oder unbewusst darunter leiden.
Der Schlüssel zum Glücklichsein
Zu wissen, dass alles vergänglich ist. Die unangenehmen Momente gehen vorbei, aber auch die angenehmen und schönen Momente gehen vorbei. Ohne Ablenkung und mit einem fokussierten Geist, ist es viel einfach zu akzeptieren, was ist. Und auch zu realisieren, dass wir mit Allem was ist, einfach sein können. Auch ohne es ständig kommentieren zu müssen, sei das leise im Kopf oder laut zu den Menschen, die uns gerade umgeben.
Ich glaube, deshalb ist es mir auch so einfach gefallen, nicht zu reden. Man kann einfach nur sein, ohne etwas zu müssen. Also ohne es erklären, verteidigen, analysieren zu müssen, weder gegenüber einem selbst, noch für irgend jemand sonst.
Das ist unglaublich befreiend!
Danke für’s lesen.
Herzlich,
Martina