Mehr CO2, weniger Stress?!
Kohlendioxid (CO2) hat nicht gerade einen guten Ruf…
Im Kontext unserer Atmung ist das umgangssprachlich oft als Abfallprodukt bezeichnete Gas jedoch unerlässlich für viele physiologische Abläufe in unserem Körper. CO2 ist ein natürliches Relaxans und wirkt entspannend auf unseren Organismus, sofern es in der richtigen Menge vorhanden ist.
Ein Mangel an CO2 im Blut bedeutet das Gegenteil, also Stress. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, unser Körper ist darauf ausgerichtet, immer wieder die Balance zwischen stressigeren und entspannteren Situationen zu finden.
Wenn wir uns veranschaulichen, weshalb die Spezies Mensch bis jetzt überlebt hat, ist es wohl auch wegen der Fähigkeit, innert Sekunden in einen «Kampf oder Flucht» Modus zu wechseln bei akuter Bedrohung. Vor allem in der Steinzeit waren wir darauf angewiesen, sobald ein wildes hungriges Tier vor unserer Höhle auftauchte 😉
Bei Bedrohung verstärkt sich die Atmung sofort, Stresshormone werden ausgeschüttet. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, die grossen Muskeln werden verstärkt durchblutet, während andere Teile des Körpers, welche nicht direkt für’s Überleben gebraucht werden (Haut, Verdauung, Sexualorgane…) in diesem Moment etwas vernachlässigt werden mit Blut- und Sauerstoffversorgung. Das System ist bereit zu kämpfen oder zu flüchten und kann so in kürzester Zeit grosse Mengen an Energie zur Verfügung stellen. Dabei fällt viel CO2 an und dieses muss abgeatmet werden, der CO2 Anteil im Blut sinkt.
Unser Körper kann jedoch (noch) nicht unterscheiden, ob eine stressige Situation im Aussen tatsächlich lebensbedrohlich ist oder einfach von unserem System so wahrgenommen wird. Die physiologische Reaktion im Körper bleibt die Gleiche – wie oben vereinfacht beschrieben. Die Krux heutzutage ist jedoch, dass das, was wir als stressig in unserem Leben wahrnehmen: z. Bsp. zu viele Emails, krasse Deadlines, schlechte Nachrichten, Zukunftsängste, Arbeitsdruck oder Frustration im Job oder Alltag, zu einer stetigen «Kampf oder Flucht» Situation in unserem Körper führt und wir so chronisch in die Überatmung kommen, also übermässig CO2 abatmen.
Um körperlich gesund und mental entspannter, belastbarer, leistungsfähiger und gelassener zu sein ist es wichtig, dass wir auch das parasympathische Nervensystem – den Teil unseres Nervensystems, welcher für die Entspannung zuständig ist - wieder vermehrt aktivieren. Nur so kann eine gesunde Balance zwischen Stress und Erholung hergestellt werden.
Ein unschlagbar einfaches und sehr effizientes Tool hierzu ist die Atmung.
Beruhigende Atemtechniken helfen das System runterzufahren und zu entspannen. Gezielte Atemtechniken, über eine längere Zeit geübt, helfen die CO2 Toleranz wieder auf ein gesundes Niveau anzuheben und lassen uns so aus dem chronischen Stressmodus unseres Körpers rauskommen.
Mach die folgende Atemübung für ein paar Minuten, um Dich sofort entspannter zu fühlen:
Langsam und bewusst durch die Nase einatmen
Atem einen kurzen Moment (ca. 1 Sekunde) in der Fülle anhalten
Ausatmen durch den Mund mit gespitzten Lippen (wie wenn man die Flamme einer Kerze gleichmässig flackern lassen möchte). Die Ausatmung wird so verlangsamt. Entspanne Dich in die Ausatmung hinein.
Nach der Ausatmung auf den Moment warten, in dem die Einatmung wie von selbst wiederkommen möchte, erst dann wieder langsam und bewusst durch die Nase einatmen.
Entspannt und natürlich noch einige Male so atmen
Happy Breathing!
Martina